Was ist Karate?

Die Wurzel der Kampfkunst liegt im alten Indien und China, wo der M├Ânch Bodhidharma eine von Tierbewegungen nachgeahmte Gymnastik entwickelte, um den K├Ârper f├╝r die Meditation zu schw├Ąchen, um so schneller zur Erleuchtung zu finden, bzw. den G├Âttern n├Ąher zu kommen. Mit der Zeit passte sich K├Ârper den hohen Anforderungen an und wurde kr├Ąftiger, ausdauernder und widerstandsf├Ąhiger. Er gab die von ihm entwickelten Techniken an buddhistische M├Ânche weiter, die zu dieser Zeit h├Ąufig ├ťbergriffen durch R├Ąuber ausgesetzt waren. Sie entwickelten aus diesen Bewegungen wirksame Techniken zur Selbstverteidigung - das Kenpo. Durch den regen Handel der Chinesen mit anderen V├Âlker Asiens gelangten auch das Kenpo nach Okinawa, wo es sich zu einer eigenst├Ąndigen Kampfkunst," das Okinawa-Te" entwickelte. Nach einer japanischen Invasion wurde Okinawa annektiert. Jegliche Arten von Waffen wurde bei Todesstrafe verboten. Die Inselbewohner wurden stark diskriminiert und mit gro├čen Abgaben belegt. Da die Insel keine Armee hatte, griffen sie vereinzelt Samurai und Beamte an. Mit den Samurai als Gegner mussten sie lernen, ihren K├Ârper als effektive Waffe zu gebrauchen um gegen die Samurai bestehen zu k├Ânnen. Die Bauern entwickelten Techniken, ihre Arbeitsger├Ąte als Waffen zu gebrauchen. Schlie├člich wurde auch das Aus├╝ben der Kampfkunst unter Todesstrafe gestellt und konnte nur noch im Verborgenen ge├╝bt und innerhalb einer Familie weitergegeben werden. So wurde das Okinawa-Te schlie├člich am Anfang des 20. Jahrhunderts als Karate bekannt.

Shotokan Kenpo Karate

Shotokan Kempo Karate (SKK) bezeichnet das Basiskonzept des Karate-Unterrichts im Budokan / Budo Studien Kreis. Es beruht auf den Prinzipien des Shotokan Karate, wurde jedoch sowohl technisch als auch inhaltlich erweitert und enthält zusätzlich die bis nach China zurückreichenden Systeme der Selbstverteidigung, Gesundheitsmethoden und Weglehren. Shotokan Kempo Karate (SKK) ist eine allgemeine Grundlage, auf der Fortgeschrittene ihr eigenes Karateverständnis entwickeln können, das auf alten Traditionen beruht. SKK ist eine grundlegende Einführung in die große Vielfalt des Karate, auf deren Basis Fortgeschrittene sich selbst verwirklichen. In der Bezeichnung bedeutet Shotokan, dass die technischen Grundlagen auf diesem System beruhen, Kempo, dass sie in die chinesischen Systeme erweitert wurden und Karate, dass sie Teil der okinawanischen Kampfkunst sind. Für Kyu- und niedere Dan-Graduierungen ist Shotokan Kempo Karate eine Lernmethode, innerhalb derer es Regeln, feste Systeme und eine Prüfungsordnung gibt. Das Ziel ist jedoch, sich letztendlich von Systemen zu befreien und Karate als Ganzes zu begreifen. Der Weg dahin wird durch eine Prüfungsordnung geregelt, die aber spätestens dann ausser Kraft tritt, wenn der Übende ein entsprechendes Niveau erreicht hat (in der Regel 3. Dan). Bis dahin üben alle Mitglieder des BSK die Systeme des Shotokan Kempo Karate (SKK) und dürfen eigene Interpretationen nur in Absprache mit den Sensei des BSK unterrichten.

 

Entwicklung des Stilkonzeptes im Shotokan Kempo Karate

Das Stilkonzept des Shotokan Kempo Karate (SKK) im Budo Studien Kreis folgt einer logischen Kette von Kampfkunstprinzipien, die sich durch Übung ineinander reihen und entsprechend den Fortschrittsstufen ihre vielfältigen Resultate offenbaren. Untenstehend ein grober Umriß, wie sich die einzelnen Trainingskomponenten zusammenfügen und Fortschritt ermöglichen. • Anfänger beginnen mit klasisschen Shotokan-Techniken, erlernen jedoch von Anfang an ein neues Konzept von Spannung und Entspannung im Körper. Diesem Konzept wird sehr viel Zeit und Geduld gewidmet, da es die Basis für eine effektive Technik und zugleich die geistige Beherrschung einer Gefahrensituation ist.
• Von Anfang an lernen die Übenden auch, mit den verschiedensten Distanzen umzugehen, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf der Übung des Nahkampfes liegt. Hier greifen die erweiterten Konzepte des Shotokan Kenpo Karate. Entsprechend den Fortschrittsstufen lernen die Übenden nicht nur Faust- und Fußtechniken, sondern auch Formen des Greifen, Würgens, Stechens, Hebelns, des Angreifens von verletzlichen Punkten, bis hin zur Lehre über die Vitalpunkte des menschlichen Körpers.
• Die Atmung spielt im Konzept des SKK eine wichtige Rolle. Sie verbindet Geist und Körper in den Handlungen und ist darüber hinaus ein wichtiges Prinzip der Budo-Lehre.
Stufe um Stufe führen die BSK-Lehrer die Übenden zu einem echten Verständnis der klassischen Formen und deren Übersetzung in einen realistischen Kampf. Auf der Stufe der Schwarzgurte werden die Trainingsschwerpunkte mehr und mehr in die Entschl├╝sselung der klassischen Kata (Bunkai) verlagert. Shotokan Kenpo Karate Fortgeschrittene Systeme des Kata-Bunkai (wie z.B. Kakie-, Goshin-, Kumi-, Tegumi-, Tuite-, Renzoku, Kyushojutsu) sind ausschließliche Bestandteile und Bezeichnungen des Sotokan Kempo Karate (SKK) aus dem Budo Studien Kreis und sind als Original nur in diesem System enthalten. Diese Konzepte hat der BSK nun auch als Lehrvideos für jede Kata produziert, in denen die Bunkai-Methoden des SKK systematisch erläutert werden.

 

 

Warum Kampfkunst?

Die Menschen unterliegen einem st├Ąndigen Leistungszwang. Sei es im Beruf oder Privatleben, st├Ąndig ist der Zwang da, besser zu sein als andere. Ein hausgemachtes Problem durch die Gesellschaft. Selbst Kindern dr├╝ckt man in der Schule st├Ąndig durch eine Schablone und gibt ihnen das Gef├╝hl minderwertig zu sein, sobald sie in mehreren F├Ąchern schlechte Zensuren bekommen. Jeder Mensch ist unterschiedlich und sollte auch so erzogen und behandelt werden. Materieller Wohlstand gilt in der heutigen Gesellschaft als das erstrebenswertere Ziel schlecht hin. Es wird uns immer wieder gesagt und gezeigt, dass wir das anzustreben haben damit es uns besser geht. Menschen die vieles besitzen, sind trotzdem unzufrieden, wenn die innere Balance fehlt. Das Streben nach dem Gleichgewicht zwischen den gesellschaftlichen Anforderungen und dem eigenen Bed├╝rfnissen um zufrieden zu sein, f├╝hrt viele Menschen in eine Sackgasse, in der am Ende Krankheit und Leid stehen. Der vermeintliche Ausgleich durch Sport l├Âst dieses Problem leider nicht, sondern f├Ârdert eher den Leistungsdruck durch den Wettkampf. Ein Besinnen auf die eigenen inneren Werte und den positiven Effekt der Zufriedenheit wird nur durch eine ├ťbung erreicht, die fern jeglicher Wettbewerbe liegt. Eine Kampfkunst enth├Ąlt die M├Âglichkeit einer solchen ├ťbung, wenn diese im Sinne einer Weglehre (ÔÇ×DoÔÇť) gelehrt wird. Die ├ťbung des Weges schafft die innere Voraussetzung f├╝r eine Verfassung, die Leben in Harmonie erm├Âglicht. Wir, im Kampfkunstzentrum in Eisenh├╝ttenstadt, betreiben daher Karate als Kampfkunst, fernab jeglichem Wettbewerbsgedanken. Bei uns steht der Mensch mit seinen individuellen M├Âglich- und Fertigkeiten im Vordergrund. Durch die Kampfkunst wird ein Bewusstsein geformt, welches dem Leben dient. Diese Form der Lehre wird ÔÇ×DoÔÇť ( Lehre des Weges ) genannt und durch unsere Lehrer unterrichtet.

Trainingsinhalte

Kata ÔÇô Die Lehre der Formen
Kata hei├čt ├╝bersetzt ÔÇ×FormÔÇť. Vereinfacht ausgedr├╝ckt sind in ihr Bewegungen eines Kampfstils integriert.
Sie dient Kampfk├╝nstlern als psycho-physische Bewegungs├╝bung zur Ausbildung der inneren Energie (q├Č).
Die Kata stellt die Basis einer Kampfkunst dar. Die Meister verschl├╝sselten ihren Kampfstil in einer Kata und gaben sie so an ihre Sch├╝ler weiter. Nur durch einen Lehrer ist diese Kata zu entschl├╝sseln (Bunkai).

Kihon - Die Grundschule
Aus der Kata werden einzelne Bewegungen herausgenommen um sie zu schulen. Es werden zwei Arten der Bewegung gelehrt. Kihon-Waza und Jiyu-Waza.
Kihon-Waza wird ge├╝bt, damit man das Verst├Ąndnis der Energieentwicklung in der Technik schult.
Jiyu-Waza ├╝bt man um die Grundschultechniken als Kampftechniken anzuwenden.

Kumite - Kampf├╝bungen
Aus der Kata werden Bewegungen herausgenommen und als Kampf├╝bung gelehrt. Dabei beschr├Ąnken sich die Formen nicht nur auf Schlag- und Tritttechniken, sondern beinhalten auch unter anderem Hebel, W├╝rfe, Festhaltegriffe ect.

Kansetsu-Waza - Gelenkmanipulation
Hier werden alle m├Âglichen Gelenkmanipulationen (Hebel) ge├╝bt. Sie dienen zur Kontrolle eines Angreifers, aber auch zur Selbsverteidigung.

Nage-Waza - Wurftechniken
Nage ÔÇôwaza sind wichtige Techniken in einer Kampfkunst und aus der Sicht der Selbstverteidigung nicht wegzudenken. Hier werden die Prinzipien der Gleichgewichtsbrechung ge├╝bt. Und das sichere Fallen bei einem Wurf.

Kakie - Klebende H├Ąnde
Kakie ist wichtiger Bestandteil im Nahkampf. Hier wird das Ersp├╝ren des Angriffs ge├╝bt, da man in der Nahdistanz nur eine sehr kurze Reaktionszeit besitzt.

Goshin - Selbstverteidgung
Goshin beinhaltet die Selbstverteidigung gegen z.B. Festhalten, Umklammerungen, Hebel, Schl├Ąge und Tritte um gegen St├Ąrkere oder mehrere Angreifer zu bestehen.

Makiwara - Schlagpfosten
Am Makiwara werden verschiedene Schlagtechniken zum Studium der Energie├╝bertragung ge├╝bt.

Tuite-Wasa
Hier werden Techniken der Trennung von Muskelgruppen, abschn├╝ren der Luft und Dr├╝cken auf empfindliche Stellen zur Selbstverteidigung ge├╝bt.

Budo-Gemeinschaft

In unserem Kampfkunstzentrum ist jeder herzlich willkommen, der Kampfkunst ernsthaft erleben m├Âchte. Wir streben┬ánach den Erhalt der Kampfk├╝nste fernab der sportlichen Wettk├Ąmpfe. Deshalb haben wir uns dem Budostudienkreis, unter der Leitung von Sensei Werner Lind, im Jahre 2007 angeschlossen! Es gibt bei uns die M├Âglichkeit durch verschiedene Kampfk├╝nste (Karate, Ninjutsu, Kobudo und Qigong) Budo zu erleben.

Was ist Budo?

"Bud┼Ź (ŠşŽÚüô) bezeichnet die Summe aller japanischen Kampfk├╝nste, in deren Zentrum die ├ťbung eines Weges (d┼Ź) steht. Die Bezeichnung bu (ŠşŽ) steht f├╝r das urspr├╝nglich kriegerische Element aus dem bujutsu, w├Ąhrend d┼Ź (Úüô) die zus├Ątzliche Selbstverwirklichung des ├ťbenden auf einem Weg bezeichnet. Bud┼Ź kombiniert also die alten Kriegstechniken (bujutsu) mit einem individuellen ├ťbungsweg der Selbstperfektion d┼Ź und hei├čt dementsprechend "Weg der Kampfk├╝nste" (bud┼Ź). Entsprechend ist bud┼Ź eine ├ťbungsmethode, die den ├ťbenden (bud┼Źka) dazu anh├Ąlt, seinen Charakter und seine innere St├Ąrke durch die ├ťbung heranzubilden."

Sensei Werner Lind

Nachruf

In tiefer Trauer nehmen wir Abschied von Sensei Werner Lind, der am 21.12.2014 verstorben ist. Wir alle sind sehr gl├╝cklich, ihn als Menschen und gro├čartigen Lehrer erlebt zu haben. Er hat nicht nur technisch die Kampfkunst in Deutschland und Europa ver├Ąndert, sondern vor allem durch sein Wesen und seine Art Budo zu vermitteln uns als Menschen gepr├Ągt. F├╝r viele von uns war er Wegbereiter und -begleiter im wahrsten Sinne des Wortes.
"Lieber Werner, wir werden dich sehr vermissen und danken dir f├╝r dein gro├čartiges Lebenswerk, welches wir im Herzen und in Taten weiterf├╝hren werden."
Du kannst Tr├Ąnen vergie├čen, weil er gegangen ist. Oder Du kannst l├Ącheln, weil er gelebt hat. Du kannst die Augen schlie├čen und Beten, dass er wiederkehrt. Oder Du kannst die Augen ├Âffnen und all das sehen, was er hinterlassen hat.